workHEALTH

  Person führt Montageaufgabe mithilfe eines Head-Mounted Displays aus Urheberrecht: © Mario Irmischer

  

 

Prävention und Behandlung von arbeitsbedingten Muskel-Skelett-Erkrankungen durch ein ganzheitliches Verständnis biomechanischer und psychosozialer Faktoren in der beruflichen und klinischen Praxis

 

Steckbrief

Eckdaten

Laufzeit:
01.08.2020 bis 31.07.2023
Forschungsbereich:
Arbeitsplatz- und Produktgestaltung | Kognitive und Physiologische Ergonomie
Status:
Laufend

Weitere Informationen

Kontakt

Name

Christopher Brandl

Abteilungsleitung Ergonomie und Mensch-Maschine-Systeme

Telefon

work
+49 241 80 99474

E-Mail

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Kurzbeschreibung

Erkrankungen des Bewegungsapparates, auch zusammengefasst unter der Bezeichnung Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE), bedeuten für betroffene Personen nicht nur erhebliche Einschränkungen, sondern sie verursachen darüber hinaus durch Gesundheitsausgaben und verlorene Produktivität einen enormen volkswirtschaftlichen Schaden: Auf derartige Erkrankungen gehen die meisten Arbeitsunfähigkeitstage zurück und sie werden geschlechtsübergreifend als zweithäufigster Grund für eine Frühberentung angeführt.

Das Projekt workHEALTH zielt auf die interdisziplinäre Untersuchung von Querschnittsthemen zur Ätiologie und Entwicklung von arbeitsbedingten MSE ab, um eine bessere Prävention und Behandlung zu ermöglichen, die die Prävalenz arbeitsbedingter MSE effektiv reduziert.

Herausforderungen

Wie umfangreiche Daten der gesetzlichen Krankenversicherung zeigen, weisen/haben/üben epidemiologische Analysen einen starken Einfluss arbeitsbedingter Faktoren auf die Prävalenz von MSE aus/auf. Obwohl einzelne Faktoren wie Freizeitaktivitäten, Grunderkrankungen und Körpergewicht die Prävalenz von MSE beeinflussen, wird allgemein davon ausgegangen, dass MSE in erheblichem Maße mit ungünstigen Arbeitsanforderungen und hohen Arbeitsbelastungen verbunden sind. Konkret umfassen arbeitsbedingte MSE degenerative Veränderungen oder Krankheiten, die in erster Linie durch die Dosis und das Zusammenspiel eines oder mehrerer Risikofaktoren in Abhängigkeit von unterschiedlichen, individuellen Eigenschaften eines Menschen verursacht werden. Beispiele für häufige arbeitsbedingte MSE sind degenerative Erkrankungen der Hals- und Lendenwirbelsäule (z. B. Bandscheibenvorfall) und der Gelenke (z. B. Arthrose der Handgelenke, Ellenbogen, Knie und Hüften) sowie dysfunktionale Reaktionen der Muskulatur (z. B. Erkrankungen von Sehnen, Bändern, Meniskus und Schleimbeutel). Im Zusammenhang mit Beschwerden und Schmerzen im Bewegungsapparat berichten Patientinnen und Patienten häufig über unspezifische Symptome oder Schmerzsyndrome, wie z. B. Kreuzschmerzen (Lendenwirbelsyndrom), Nackenschmerzen (Halssyndrom) und Schmerzen in den oberen Extremitäten nach häufig wiederholten Bewegungen (repetitive Belastungsverletzung).

Derzeit fehlt es sowohl im Bereich der Prävention als auch der Behandlung an umfassenden Kenntnissen über das Zusammenspiel von Risikofaktoren sowie sich daraus ergebende Implikationen für die betriebliche und klinische Praxis. Den Fokus auf die Erforschung der Risikofaktoren der arbeitsbedingten MSE zu legen, erscheint besonders vielversprechend, da Präventionsmaßnahmen in Unternehmen durch gesetzliche Regelungen gut umgesetzt werden können. Dementsprechend definiert die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin die Forschung zur Ätiologie von arbeitsbedingten MSE als eines der Hauptziele ihres „Arbeits- und Forschungsprogramms 2018 - 2021“, um präventive Ansätze zur Gestaltung der menschlichen Arbeit weiterzuentwickeln.

Zielsetzung

Das Projekt workHEALTH zielt auf die interdisziplinäre Untersuchung von Querschnittsthemen zur Ätiologie und Entwicklung von arbeitsbedingten MSE ab, um eine bessere Prävention und Behandlung zu ermöglichen, die die Prävalenz arbeitsbedingter MSE effektiv reduziert. Dies erfordert die Zusammenarbeit in einem interdisziplinären Forschungsverbund aus den Disziplinen Medizin, Orthopädie, Physiotherapie, Biomechanik, Gesundheitspsychologie, Ergonomie und Arbeitswissenschaft. Aufgrund dieser interdisziplinären Sichtweise wird eine ganzheitliche Betrachtung von der Prävention am Arbeitsplatz über den Zeitpunkt der Erkrankung und Behandlung bis hin zur Wiedereingliederung in das Berufsleben ermöglicht.
Das Projekt workHEALTH verfolgt das Ziel, aus den gewonnenen Erkenntnissen Implikationen für die klinische und betriebliche Praxis zu generieren. Dazu gehören insbesondere die Weiterentwicklung der Methoden zur Belastungsbeurteilung für die präventive Arbeitsgestaltung, die Entwicklung von psychosozialen Interventionsmaßnahmen zur Förderung von Gesundheitsverhalten am Arbeitsplatz, die präventive und psychosoziale Verhaltensunterstützung sowie Leitlinien für die Behandlung und Wiedereingliederung an den Arbeitsplatz ebenso wie die Validierung bestehender biomechanischer Modelle und Indikationen für die betriebliche und klinische Nutzung von Exoskeletten.

Vorgehen

Zur Generierung neuer Erkenntnisse spielt insbesondere der kombinierte Einsatz einer kollektiven sowie individuellen Datenerhebung eine wesentliche Rolle. Im Projekt workHEALTH wird ein multimethodischer Ansatz verfolgt, der gleichzeitig eine Vielzahl moderner Datenerhebungsmethoden und -instrumente anwendet, wie z. B. In-vitro-Untersuchungen an menschlichen Bandscheibenproben und Gelenkknorpeln, In-vivo-Messungen von Kräften und Momenten, Interviews und Selbstberichte mit psychosozialen und anderen schwer messbaren Faktoren, Experience Sampling zur Erfassung von subjektiven Parametern (z. B. das persönliche Befinden und die Arbeitsbelastung in Echtzeit, Berechnung von Kräften und Momenten mittels Bewegungserfassung und biomechanischer Modellierung, ambulantem Assessment mittels mobiler Aktivitätssensoren zur objektiven Erfassung sedentären Verhaltens und körperlicher Aktivität) sowie auch der Elektromyographie.

Förderung

Das Projekt workHEALTH wird im Rahmen der Richtlinie zur Förderung interdisziplinärer Forschungsverbünde zu muskuloskelettalen Erkrankungen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Ausgestaltung des Rahmenprogramms der Gesundheitsforschung der Bundesregierung. Die Betreuung erfolgt durch den Projektträger Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR).

Projektpartner
Universitätsklinikum Aachen, Klinik für Orthopädie
RWTH Aachen, Institut für Allgemeine Mechanik (IAM)
Charité - Universitätsmedizin Berlin, Campus Virchow-Klinikum, Julius Wolff Institut
Georg-August-Universität Göttingen, Universitätsmedizin, Klinik für Anästhesiologie
MSB Medical School Berlin GmbH, Hochschule für Gesundheit und Medizin
Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e. V. (DGUV), Institut für Arbeitsschutz (IFA)

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