COVID-19 Lessons Learned

  Ein Mann sitzt an einem Tisch und arbeitet mit seinem Laptop Urheberrecht: © Martin Braun Projektlogo Covid-19 Lessons Learned  

Gute Lösungen für die Zukunft nutzen

 

Steckbrief

Eckdaten

Laufzeit:
01.06.2020 bis 31.12.2021
Forschungsbereich:
Arbeitsschutz im Kontext der Coronavirus-Pandemie
Status:
Laufend

Kontakt

Name

Christopher Brandl

Abteilungsleitung Ergonomie und Mensch-Maschine-Systeme

Telefon

work
+49 241 80 99474

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Kurzbeschreibung

Mit dem Ziel, die Erfahrungen langfristig zu nutzen, Unternehmen im Umgang mit der Covid-19-Pandemie machen, werden im Forschungsprojekt COVID-19 Lessons Learned (COVID19LL) Best-Practice-Lösungen für die Verbesserung von Arbeitsprozessen und Arbeitsbedingungen identifiziert.

Herausforderungen

Die Covid-19-Pandemie hat in kurzer Zeit tiefgreifende Veränderungen in unserer Gesellschaft bewirkt. Diese sind auch in unserer Arbeitswelt deutlich spürbar: Viele Beschäftigte sind mit nur wenigen Tagen Vorbereitungszeit ins Home-Office geschickt worden. Betriebliche Veranstaltungen wurden kurzfristig abgesagt, interne und externe Kommunikation auf digitale Kanäle umgestellt, Arbeitszeitregelungen überarbeitet und Arbeitsabläufe, Lieferketten und Produktionserzeugnisse überdacht. Unternehmen in allen Branchen und Wirtschaftssektoren sehen sich durch die dynamischen Veränderungen der Gesundheitslage und den damit verbundenen geltenden Vorschriften mit der Herausforderung konfrontiert, ihre Arbeitsstrukturen und -abläufe flexibel an die aktuelle Situation anzupassen. Unternehmen, die bereits vor der Krise in hohem Maße digitalisiert waren, können diese Herausforderungen besser bewältigen als solche, die nun gezwungen sind, eine digitale Wende im Zeitraffer zu vollziehen.

Zielsetzung

Während diese Entwicklungen für viele Unternehmen in Deutschland eine enorme Belastung darstellen, so bieten sie jedoch auch ein großes Innovationspotential. Neue Arbeitsweisen und technische Hilfsmittel müssen in kürzester Zeit umgesetzt und erprobt werden, wodurch nicht nur Änderungs-, sondern vor allem auch zukunftsweisende Lernprozesse in Gang gesetzt werden. Um solche Lernprozesse systematisch zu erfassen und langfristig sowie branchenübergreifend nutzbar zu machen, hat das BMBF kurzfristig das Forschungsprojekt „Gute Lösungen für die Zukunft nutzen – COVID-19 Lessons Learned“ (COVID19LL) ins Leben gerufen. Im Rahmen dieses Projekts führt das Institut für Arbeitswissenschaft der RWTH Aachen – zusammen mit Kooperationspartnern an der TU München und der TU Dresden – eine systematische und überregionale Analyse von Auswirkungen der Krise auf die Arbeitspraktiken in Unternehmen durch. Ziel ist es, besonders effektive Reaktionen infolge der aktuellen Herausforderungen zu identifizieren, die auch nach der Eindämmung der Pandemie zu einer langfristigen Verbesserung von Arbeitsprozessen und Arbeitsbedingungen führen können.

 
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Vorgehen

Basierend auf arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen werden zentrale Aspekte identifiziert, die bei der Analyse des Umgangs von Unternehmen mit der Pandemie zu berücksichtigen sind. Diese werden in einer ersten Erhebungsphase in Interviews mit Arbeitgeber- sowie Arbeitnehmerverbänden validiert, um die für die anschließende Hauptrunde ausgewählten inhaltlichen Schwerpunktthemen abzusichern. Hierfür führte das IAW Gespräche mit Kontaktpersonen beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) NRW, bei Unternehmer NRW und bei den Vereinigten Unternehmerverbänden Aachen e.V. (VUV). In der Hauptphase der wissenschaftlichen Datenerhebung werden Interviews mit Beschäftigten aus 33 Unternehmen geführt, um die dort durchgeführten Maßnahmen detailliert zu untersuchen. Für die Interviews werden Unternehmen im primären, sekundären und tertiären Wirtschaftssektor in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Bayern und Sachsen berücksichtigt. Die in den Unternehmen identifizierten Maßnahmen werden anschließend hinsichtlich ihres Potentials als Teil möglicher Best-Practice-Lösungen analysiert und bewertet. In diese Bewertung fließen sowohl die Erfahrungsberichte der Unternehmen als auch die Ergebnisse aus digitalen Workshops mit ein, in denen die Befunde aus Sicht der Wissenschaft und aus Sicht der Wirtschaft diskutiert werden.

Ergebnisse

Auf Grundlage der durchgeführten Interviews lassen sich die Ergebnisse insbesondere im Hinblick auf die Art der Arbeitsausführung (ortsgebunden, ortsungebunden und teilweise ortsgebunden) differenzieren.

In allen drei Wirtschaftssektoren gibt es Unternehmensbereiche, in denen die physische Anwesenheit der Mitarbeitenden unabdingbar ist und keine Möglichkeit besteht, aus der Ferne zu arbeiten. Die in diesen Unternehmen neu eingeführten Maßnahmen beziehen sich primär auf die Einhaltung von Hygienevorschriften, die neben dem Einsatz von persönlichen Schutzausrüstungen (z.B. FFPF2-Masken, Desinfektionsmittelspendern, Lüftungsanlagen und Trennwände), arbeitsorganisatorische Maßnahmen zur Separierung von Unternehmensbereichen und bei größeren Unternehmen die Implementierung eigener Test- und Impfzentren miteinschließt.

Dem gegenübergestellt stehen weite Bereiche vor allem im Servicesektor, die die Ausführung der Tätigkeit vollständig aus dem Homeoffice ermöglichen. Dabei ist für einen reibungslosen Umstieg von großer Bedeutung, dass die Mitarbeitenden mit den erforderlichen Arbeitsmitteln ausgestattet werden und die internen Kommunikationsstrukturen an die veränderten Abläufe angepasst werden. Darüber hinaus gilt es umso mehr auf die individuellen Bedürfnisse der Beschäftigten einzugehen. Dabei spielt beispielsweise die Rücksichtnahme bei Doppelbelastungen, wie die von Eltern, und ein an die neuen Beschäftigten stärker zugewandter Onboardingprozess eine bedeutsame Rolle.

Zuletzt zeigten sich in den beschriebenen Bereichen Unternehmensteile, in denen die Anwesenheit der Beschäftigten vor Ort für bestimmte Arbeitsaufgaben unabdingbar ist und die Ausführung weiterer Tätigkeiten auch von zuhause aus möglich ist. Bei dieser Art der Arbeitsausführung kommen die Vorzüge einer Flexibilisierung von Arbeitszeiten und dem Arbeitsort am deutlichsten zum Tragen, ohne, dass diese durch Aspekte wie mangelndem Kontakt unter dem Kollegium, Hürden in Arbeitsabläufen durch ständiges Arbeiten auf Distanz und eine zunehmende Entgrenzung von Arbeit und Privatleben geschmälert werden. Die Bedeutsamkeit der Flexibilisierung zeigt sich hierbei in der besseren Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben.

Eine ausführliche Darstellung der Ergebnisse wurde in Form von narrativen Best Practice Szenarien erarbeitet.

Förderung

Das Projekt COVID19LL (Förderkennzeichen: 02L18A700) wird in der Programmlinie „Zukunft der Arbeit“ vom BMBF gefördert und durch den Projektträger PTKA betreut.

Projektpartner
Lehrstuhl für Ergonomie, TU München
Friedrich Schiedel-Lehrstuhl für Wissenschaftssoziologie, TU München
Lehrstuhl für European and Global Governance, TU München
Professur für Arbeitswissenschaft, TU Dresden

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