ATHEBOS

 

Analyse taktisch-operativer Handlungsabweichungen (Fehler) im Einsatzgeschehen von Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben

Projektlogo ATHEBOS
 

Steckbrief

Eckdaten

Laufzeit:
01.09.2017 bis 31.08.2019
Forschungsbereich:
Sonstiges
Status:
Abgeschlossen

Kontakt

Name

Martin Frenz

Abteilungsleitung Bildung für technische Berufe

Telefon

work
+49 241 80 99480

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Kurzbeschreibung

Die Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) garantieren Sicherheit für die Bevölkerung Deutschlands. Alle Führungsebenen betreffend, kann jedoch auch solch ein leistungsfähiges System nicht völlig fehlerfrei sein. Im Rahmen des Projektes ATHEBOS wurde deshalb eine Analyse von Fehlern im Einsatzgeschehen von BOS durchgeführt und eine Kategorisierung von Handlungsabweichungen vorgenommen. Die Erkenntnisse flossen in die Entwicklung von Leitlinien zum Umgang mit Fehlern ein, mit dem Ziel, einen Wandel der Fehlerkultur in allen Phasen des Führungsvorganges zu bewirken. Über Empfehlungen zur Ergänzung von Ausbildungsrahmenplänen sowie durch die Konzeption von Weiterbildungen wurden weitere Maßnahmen getroffen, um das individuelle und organisationale Lernen zu unterstützen.

Herausforderungen

In Deutschland sowie auch auf internationaler Ebene sind es unter den BOS vor allem die Feuerwehrkräfte, die in der Bevölkerung ein hohes Ansehen genießen und denen das größte Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger entgegengebracht wird. Dennoch sind trotz vorhandener Qualitätsmanagementsysteme selbstverständlich auch Rettungskräfte nicht unfehlbar. Sie werden mit enormen Herausforderungen konfrontiert. Einerseits muss der Schutzpflicht gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern nachgekommen werden. Andererseits sind die Arbeitsprozesse durch eng umrissene, einzuhaltende Dienstvorschriften bestimmt. Die hierbei durchlebten Zielkonflikte schlagen sich vor allem in neuen, unbekannten und komplexen Situationen nieder, in denen unter Zeitdruck sowie unter unvollständigen bzw. unzureichenden Informationen Entscheidungen getroffen werden müssen. Gerade in ausschlaggebenden Momenten, in denen oft Sekunden entscheidend sind, kann das Handeln unter Zielkonflikten schwerwiegende Folgen nach sich ziehen.

Zielsetzung

Als theoretische Ausgangsbasis für das Verbundprojekt wurde zunächst ein Fehlermodell entwickelt, das anschließend zur Ausarbeitung eines Fehlermanagementkonzeptes herangezogen wurde. Nur durch eine Einbindung dieses Fehlermanagementkonzepts in alle Prozesse (von der Ausbildung bis zum Einsatzgeschehen in den beteiligten BOS) kann ein Wandel der Fehlerkultur erreicht werden. Aus diesem Wandel wird langfristig eine Minimierung der Gefahren für die Bürgerinnen und Bürger sowie für Feuerwehrkräfte selbst erwartet.

Vorgehen

Untersuchungsgegenstand ist das Einsatzgeschehen der mitwirkenden BOS. Es wurde einerseits dahingehend analysiert, ob und wie Fehler bzw. Handlungsabweichungen identifiziert werden. Andererseits wurde der derzeitige Umgang mit Fehlern im gesamten Führungsprozess mit Bezug auf zwei Ebenen, Löschzug und Führungsstab, sowie die für diese Zielgruppen entwickelte Aus- und Fortbildung betrachtet. Dies erfolgte u.a. über eine Analyse der für ein Fehlermanagement relevanten Arbeitsprozesse, eine Analyse der Ordnungsmittel sowie der indikatorgestützten Beurteilungssysteme und Risikoanalysen.

Ergebnisse

Im Rahmen des Projekts ATHEBOS sind vielfältige Ergebnisse erarbeitet worden, die auch in Zukunft großen Nutzen entfalten werden und damit einen Mehrwert für die Feuerwehr sowie für weitere BOS versprechen. Auf der einen Seite sind zentrale Ergebnisse erzielt worden, um den Fehlerbegriff für die Feuerwehr zu klären, zu systematisieren und relevante Fehler für eine Fehlerkultur zu identifizieren.

Ein weiterer großer Mehrwert kann insbesondere für die Aus- und Weiterbildung der Feuerwehr prognostiziert werden. Das System der beruflichen Bildung in der Feuerwehr wurde analysiert und es konnte aufgezeigt werden, an welchen Stellen eine Fehlerkultur integriert werden kann. Dazu sind die Voraussetzungen für curriculare Anpassungen und Weiterbildungen geschaffen worden.

Zusammenfassend sind in Zukunft zwei Ziele erreichbar: Auf der einen Seite können die ausgearbeiteten Empfehlungen direkt in zukünftige Curricula integriert werden. Auf der anderen Seite liegen umsetzbare Konzepte vor, die insbesondere für die Führungskräfte der Feuerwehr angeboten werden können. Damit sind gute Voraussetzungen geschaffen worden, um eine Fehlerkultur bei der Feuerwehr zu implementieren.

Die auf diese Weise gewonnenen Erkenntnisse und entwickelten Konzepte können sowohl in der Feuerwehr eingesetzt als auch auf andere BOS übertragen werden, womit der Grundstein für eine erfolgreiche Implementierung einer Fehlerkultur in BOS gelegt wurde. ATHEBOS besitzt somit Modellcharakter und hat das Potential, einen gesamtgesellschaftlichen Nutzen zu stiften.

Förderung

Das Projekt wurde im Rahmen des Programms „Forschung für die zivile Sicherheit 2012 bis 2017“ als Teil der Fördermaßnahme „Anwender – Innovativ: Forschung für die zivile Sicherheit“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unter der Projektträgerschaft des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) finanziert.

Projektpartner
Institut für Feuerwehr- und Rettungstechnologie der Stadt Dortmund (IFR)
Feuerwehr Gelsenkirchen

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