Altersdifferenzierte Adaption der Mensch-Rechner-Interaktion

  Alter Mann mit Tablet in der Hand und Eye-Tracking Brille Urheberrecht: © Mario Irrmischer

Steckbrief

Eckdaten

Laufzeit:
01.01.2006 bis 31.12.2011
Forschungsbereich:
Informationsgestaltung und Datenvisualisierung
Status:
Abgeschlossen

Kontakt

Name

Alexander Mertens

Abteilungsleitung Ergonomie und Mensch-Maschine-Systeme

Telefon

work
+49 241 80 99494

E-Mail

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Kurzbeschreibung

Modelle und Methoden für eine altersdifferenzierte Adaption von Mensch-Rechner-Schnittstellen zu entwickeln und anhand prototypischer Benutzungsschnittstellen in Versuchsreihen unter Laborbedingungen ergonomisch zu bewerten.

Herausforderungen

Aufgrund des demographischen Wandels der Bevölkerung und den damit einhergehenden Veränderungen in der Erwerbsarbeit in Deutschland und anderen europäischen Ländern wird es immer wichtiger, die Arbeitsfähigkeit alternder Belegschaften zu erhalten und zu fördern. Hierzu liegen kaum geeignete Konzepte vor, welche die individuellen Stärken der alternden Erwerbstätigen in den Vordergrund stellen. Die Nutzung von Informationstechnologien stellt dabei häufig eine wesentliche Barriere dar. Der Forderungen nach individualisierbaren Mensch-Rechner-Schnittstellen sind in der Regel schwer zu erfüllen, weil ältere Benutzerinnen und Benutzer oft nicht in der Lage sind, ihre Anforderungen an eine Individualisierung zu definieren oder diese Individualisierung selbst vorzunehmen.

Zielsetzung

Ziel des Forschungsvorhabens ist es, Modelle und Methoden für eine altersdifferenzierte Adaption von Mensch-Rechner-Schnittstellen zu entwickeln und anhand prototypischer Benutzungsschnittstellen in Versuchsreihen unter Laborbedingungen ergonomisch zu bewerten. Basierend auf Ergebnissen der zweiten Förderperiode sowie dem Stand der Forschung zur ergonomischen Gestaltung der Mensch-Rechner-Interaktion liegt der Fokus des dritten Antragszeitraums auf der altersdifferenzierten Analyse der Arbeit mit einem großflächigen berührungssensitiven Bildschirm, welcher die räumliche Trennung von Informationsausgabe und Informationseingabe aufhebt und die gleichzeitige Informationsdarstellung und erwartungskonforme Manipulation ermöglicht.

Vorgehen

Bei der für die experimentellen Untersuchungen gewählten Aufgabe der computergestützten Projektplanung mit Netzplänen handelt es sich um eine typische organisatorische Arbeitsaufgabe in Industrie und Verwaltung, welche neben der Darstellung komplexer Aufgabennetze eine ergonomische Manipulation der dort hinterlegten Netzplaninhalte erfordert. Der großflächige Arbeitsbereich eines berührungssensitiven Bildschirms erfordert jedoch vom Benutzer häufiges Hinlangen und Greifen in körperfernen Bereichen und führt zu einer hohen muskulären Beanspruchung infolge einer wiederholten Aktivierung der Halte- und Stützmuskulatur des Schulter-Armsystems. Die ergonomische Analyse dieses Eingabegerätes sowie die Konzeption und Entwicklung von altersdifferenzierten Gestaltungsvarianten zur Unterstützung der beanspruchungsarmen Benutzung ist Ziel des beantragten Forschungsvorhabens.

Ergebnisse

In sieben empirischen Studien mit insgesamt 445 Teilnehmenden wurde die Effektivität, Effizienz und Benutzerzufriedenheit bei der Arbeit mit einer prototypischen Projektmanagementsoftware untersucht. Die Arbeit mit komplexen Projektplänen erfordert die visuelle Wahrnehmung von graphischen Symbolen und deren Verknüpfungen, welche insbesondere für ältere Arbeitnehmer aufgrund einer verringerten Sehschärfe belastend sein kann. In der Stufe der Perzeption wurde daher der Effekt der Sehschärfe auf die Wahrnehmung von graphischen Symbolen verschiedener Schriftgrößen sowie verschiedene Navigationsvarianten in komplexen Netzplandarstellungen untersucht. Im Bereich der Kognition und Entscheidungsfindung liegen die Hauptaufgaben von Projektmanagern. Die Hauptaufgaben von Projektmanagern bestehen in der Termin- und Ressourcenplanung. Diese Tätigkeiten betreffen die Stufe der Kognition und Entscheidungsfindung. Komplexe Projekte mit vielen Beziehungen zwischen den Aktivitäten stellen dabei hohe Anforderungen an die kognitive Verarbeitung, das Verständnis und das Erinnerungsvermögen. In diesem Zusammenhang wurde der Effekt verschiedener struktureller Netzplanlayouts auf die Performanz des Projektmanagers analysiert. Das Manipulieren von Elementen in komplexen Netzplänen (hinzufügen, verändern, löschen) ist eine weitere charakteristische Tätigkeit innerhalb des computergestützten Projektmanagements und kann durch einen altersbedingten Rückgang der motorischen Fähigkeiten in Geschwindigkeit und Präzision der Informationseingabe beeinflusst werden. In der Stufe der Reaktionsabgabe wurden daher verschiedene Informationseingabegeräte analysiert und bewertet. Aufbauend auf den Ergebnissen wurde die ergonomische Informationseingabe und -darstellung auf großflächigen Touchscreens genauer analysiert.

Förderung

Das Projekt wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) im Rahmen des Schwerpunktprogramms „Altersdifferenzierte Arbeitssysteme“ gefördert.

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