Besserer Schutz für Feuerwehrfrauen

  Joachim Saathoff mit Carsten Schiffer, Rahel Heesemann und Justin Kühn Urheberrecht: © Mike Auerbach

Joachim Saathoff mit den stolzen Preisträgern: Carsten Schiffer (IAW), Rahel Heesemann (ITA) und Justin Kühn (ITA)

07.12.2023

IAW und ITA erhalten BMI-Förderpreis Helfende Hand 2023

 

Feuerwehrschutzkleidung für Frauen passt nicht gut – die Kleidung ist vor allem für Männer konzipiert und oft an den Schultern zu weit, am Oberkörper zu eng und an den Armen und Beinen zu lang. Feuerwehrfrauen haben weniger Vertrauen in ihre Schutzkleidung und eine höheren Unfallrisiko.

Das Institut für Arbeitswissenschaft, abgekürzt IAW, und das Institut für Textiltechnik, kurz ITA, der RWTH Aachen haben dieses Problem aufgezeigt und wurden dafür am 27. November 2023 mit dem Förderpreis Helfende Hand des Bundesinnenministeriums, kurz BMI ausgezeichnet, der höchsten Auszeichnung in Deutschland für einen ehrenamtlichen Einsatz. Der Parlamentarische Staatssekretär des BMI, Johann Saathoff, ehrte am vergangenen Montag die Doktorandinnen und Doktoranden Carsten Schiffer vom IAW, Rahel Heesemann vom ITA und Justin Kühn vom ITA stellvertretend für das gesamte Team, zusammen mit 15 weiteren Projekten. Das Team um das Projekt „Dieser Weg wird kein leichter sein – Verbesserung der Schutzbekleidung für Feuerwehrfrauen“ konnte sich im Wettstreit gegenüber 63 anderen Bewerbern in der Kategorie „Innovative Konzepte“ durchsetzen.

Der Anteil von Frauen in der Feuerwehr beträgt ca. 10 Prozent, Stand Dezember 2020, Tendenz steigend. Das relative Unfallrisiko von Frauen ist doppelt so hoch, beweist ein wissenschaftlicher Beitrag von Carsten Schiffer aus dem Jahr 2023. Dazu zeigt die Auswertung von Unfallberichten, dass Frauen öfter und schwerer verunfallen als ihre männlichen Kollegen.

„Man kann aus der schlechtsitzenden Feuerwehrkleidung zwar keine direkte Unfallursache herleiten.“, meint Carsten Schiffer vom IAW. „Aber wenn ich mir in den Unfallberichten ansehe, welche Verletzungen auftreten, liegt es nahe, dass es zumindest teilweise mit der schlecht passenden Schutzkleidung zusammenhängt.“

So scheint es wahrscheinlich, dass mehr Stolperverletzungen bei Frauen z. B. auf zu lange Hosenbeine oder schlechtsitzende Stiefel zurückzuführen sind.

Feuerwehrkleidung muss dabei viele Anforderungen erfüllen: sie muss vor Feuer, Chemikalien und weiterem schützen, darf nicht reißen, soll Schweiß nach außen transportieren, aber die Hitze draußen lassen. Das Innenfutter sorgt dabei für Komfort und schützt vor Verletzungen.

Allerdings vertrauen Frauen ihrer Schutzkleidung weniger, wie eine Interviewstudie von Carsten Schiffer aufzeigt, mutmaßlich da die Schutzbekleidung nicht richtig passt. Hierbei handelt es sich um ein sensibles Thema: gut passen, bedeutet, dass genau der richtige Abstand zwischen Haut und Innenfutter der Feuerwehrschutzkleidung liegen muss. Genau der richtige Abstand sind in etwa zwei Zentimeter – also einen Daumen breit. Wenn die Kleidung nicht an die Körperform der Trägerin oder des Trägers angepasst ist, kann die Schutzwirkung beeinträchtigt werden.

„Generell benötigen wir alle helfenden Hände bei der Feuerwehr“, meint Rahel Heesemann vom ITA. „Da ist doch die mindeste Voraussetzung, dass die Schutzkleidung gut passt.“

Wie ist die Zusammenarbeit zwischen dem IAW und ITA entstanden?

Carsten Schiffer ist Bachelorabsolvent von Rahel Heesemann und Justin Kühn und bearbeitete dieses Thema in seiner Bachelorarbeit. Hier wollte er ursprünglich die ökologischere Gestaltung der Feuerwehrschutzkleidung betrachten. Feuerwehrangehörige nannten die Ergonomie der Schutzkleidung als dringenderes Problem. Carsten Schiffer änderte sein Thema entsprechend und verfolgte es in seiner Masterarbeit am IAW und nun als Doktorand weiter.

Jetzt wollen beide Lehrstühle den Ansatz, Feuerwehrschutzkleidung unter anderem ergonomisch an Frauenkörper anzupassen, gemeinsam mit Industriepartnern weiterverfolgen und haben einen Forschungsantrag gestellt. Hierfür sind Forschungsgelder in Höhe von 700.000 Euro beantragt, 400.000 Euro entfallen auf beide Institute. Eine Entscheidung zum Antrag soll im Frühjahr 2024 fallen.